Bei der Ausbildung von Pferden sollte nicht einzig und allein der Turniererfolg im Vordergrund stehen. Vielmehr sollte die Freude an der eigentlichen Arbeit mit dem Pferd Mittelpunkt sein, egal in welcher Ausbildungsstufe sich dieses gerade befindet. Wichtig dabei ist, daß die Rittigkeit des Pferdes verbessert und seine Mitarbeitsbereitschaft gefördert wird. Ziel ist die Beherrschung der Hinterhand des Pferdes, die durch eine vermehrte Lastaufnahme und entsprechende gymnastische Übungen erreicht wird.



Der Begriff »klassisch«spiegelt im Zusammenhang mit der Reiterei einen bestimmten Zeitgeist wieder, der im griechischen Altertum verwurzelt ist (3. Und 4. Jahrhundert v.Chr.) und das »Leben des Menschen im Spannungsfeld verschiedener gleichwärtiger Kräfte im Einklang mit seiner Umwelt« als Thema hat.
 

Aus dieser Zeitepoche stammt die grundlegende Erkenntnis von Xenophon, die heute noch gültige Kernaussage für die klassische Ausbildung ist. Dieser hatte sich bereits zur damaligen Zeit mit der Pferdeausbildung befaßt und 380 v.Chr. eine schriftliche Reitlehre verfasst: »Eine harmonische Ausstrahlung von Pferd und Reiter kann nur dann ausgehen, wenn der Reiter den natürlichen Anlagen des Pferdes entspricht und sie für sich nutzbar macht. Die gewünschte Ausstrahlung ist nur dann erreichbar, wenn das Pferd körperlich und seelisch im Gleichgewicht ist.«
 
 

In der Reiterei erfolgte die Wiederbelebung dieses Gedankens erst wieder im 17. Und 18. Jahrhundert durch den bedeutendsten Reitmeister der Geschichte Francois Robinchon de la Guérinière. Dieser erneuerte zu seiner Zeit die Reiterei grundlegend, wobei sich seine Auffassung mit der des klassischen Altertums deckte. Nach seiner Meinung resultiert ein Fehlverhalten des Pferdes unter dem Sattel aus der Unfähigkeit des Reiters, dem Pferd reiterliche Hilfen verständlich zu machen. In den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt er die VERSAMMLUNG und begründet die wichtige Schlüssellektion der Ausbildung SCHULTERHEREIN. Die LÉGERTÉ (=Leichtigkeit) ist Zeichen von Durchlässigkeit und Losgelassenheit und zeigt deutlich die Qualität der Ausbildung.


Auch heute gibt es große Reitinstitute, in denen altüberlieferte Tradition gepflegt wird und Pferde nach den Grundsätzen der klassichen Reitkunst ausgebildet werden. An dieser Stelle möchte ich die einige dieser Reitschulen kurz nennen, in deren Vorführungen die Ergebnisse der klassichen Ausbildungsarbeit in wunderschönen und faszinierenden Schaubildern zu sehen sind:

- Spanische Reitschule in Wien / Österreich
- Königlich Andalusische Reitschule in Jerez de la Frontera /   Spanien
- Portugiesische Reitschule in Lissabon / Portugal
- Cadre Noir in Saumur / Frankreich
- Reitinstitut Egon von Neindorff in Karlsruhe

Diese Aufzählung ist lange nicht abschließend, denn nicht nur in Europa, sondern weltweit besinnen sich immer mehr Menschen auf die Geschichte und die Grundlagen der Klassischen Pferdeausbildung und gründen private Vereine und Initiativen zur Pflege barocker Reitkultur.
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